Sigmar Gabriel: "Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben" [0:34]

Helmut Kohl am 20. Februar 1990 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt

Kohl war am Morgen im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben.

"Auch wenn sein späteres politisches Wirken durch Konflikte und die Spendenaffäre überschattet wurde, zählen der von ihm wesentlich gestaltete Prozess der deutschen Wiedervereinigung und das Zusammenwachsen Europas zu seinen unvergesslichen Leistungen". Dass die Bundesrepublik die Kraft hatte, in Ostdeutschland blühende Landschaften zu schaffen, war der Verdienst der Menschen in den neuen Bundesländern und der Erfolg der Innenpolitik Helmut Kohls in den achtziger Jahren. Er hat Deutschland wieder vereint, tief in der europäischen Integration verankert und in der Weltpolitik eine Stimme gegeben. Auch Helmut Kohl hat es nicht vermocht, aus Gegnern Bewunderer zu machen. Diesen Respekt zollen nun die Vertreter aller großen deutschen Parteien dem verstorbenen Altkanzler auf Twitter. Er habe die Gunst der Stunde genutzt, um die Wiedervereinigung herbeizuführen. Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens. Der Vorsitzende der FDP, Lindner, betonte, Kohl habe eine Generation politisch geprägt. Er habe sie modernisiert. Für ihn wie für seinen engsten Weggefährten François Mitterrand war Europa immer ein Friedensprojekt.

Kohl überholt als dienstältester Kanzler mit 5145 Amtstagen sein Vorbild Konrad Adenauer. Bush bezeichnete sein damaliges Zusammenwirken mit seinem "sehr guten Freund" als "eine der großen Freuden meines Lebens". Durch ihn habe sie ein Leben in Freiheit führen und das Leben in der Diktatur verlassen können.

Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte: "Helmut Kohl hat entscheidend zu den glücklichsten Zeiten beigetragen, die wir Deutschen je hatten".

Mit Altkanzler Helmut Kohl sei ein "wirklich großer Deutscher gestorben", so reagierte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel auf die Todesnachricht.

Die deutsche Einheit, die ihm wie keinem anderen zu verdanken ist, hat er stets als Teil des europäischen Projekts verstanden. Sein größtes politisches Vermächtnis war die deutsche Wiedervereinigung.

Als Altmeier nach der Landtagswahl 1967 erklärt, er wolle eine weitere volle Legislaturperiode Regierungschef bleiben, übt Kohl Druck aus und zieht 1969 in die Staatskanzlei ein. Zugleich sei er zum Kanzler der "europäischen Idee" geworden.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: "Helmut Kohl war die Verkörperung eines geeinten Deutschland in einem geeinten Europa". Erst sein 75. Geburtstag mit vielen internationalen Gästen geriet wieder zur uneingeschränkten Würdigung seiner Verdienste als "Kanzler der Einheit".

Der Krieg, den Helmut Kohl als Jugendlicher in voller Grausamkeit erlebt, wird sein Leben bestimmen bis zum letzten Atemzug. Das Bundesarchiv in Koblenz erhebt Anspruch zumindest auf die Unterlagen, die Kohl in seiner Eigenschaft als Kanzler betreffen. Auch bei der katholischen Kirche wusste Kohl, was für sie gut war. "Gerade in diesen außenpolitisch unruhigen Zeiten sollten wir uns immer daran erinnern, wie wichtig das geeinte Europa für uns ist". Damals wurde bekannt, dass Kohl Parteispenden entgegengenommen hatte.

Der deutsche Grünen-Chef Cem Özdemir würdigte Kohl für seine Verdienste um Deutschland und Europa. Kohls Name werde für immer in Verbindung stehen mit "einem der grossartigsten Nachkriegsprojekte - der deutschen Wiedervereinigung". Die Öffentlichkeit debattierte heftig über die CDU-Parteispendenpraxis. "Er hat sich in außergewöhnlicher Weise um den Erhalt des Speyerer Domes verdient gemacht", sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Altkanzler Gerhard Schröder hat seinen verstorbenen Vorgänger als "großen Patrioten und Europäer" gewürdigt. "Er war ein grosser Staatsmann, ein grosser deutscher Politiker und vor allem ein grosser Europäer", sagte der SPD-Politiker.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich tief betroffen vom Tod Kohls. Am Abend meldete sich auch der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow zu Wort. "Er hat ein großes Netzwerk gehabt und Versprechen gehalten".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) erinnerte an den Einsatz Kohls für die deutsch-französische Freundschaft. Im Juli 1990 traf er sich mit Kohl im Kaukasus. Es herrschte demnach Uneinigkeit bezüglich der zweiten Heirat des Politikers.

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