DFB will Kollektivstrafen aussetzen und mit Ultras diskutieren

Dr. Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat im sich zuspitzenden Konflikt mit einigen Ultra-Gruppierungen Gesprächsbereitschaft signalisiert und sich überraschend für eine vorübergehende Aussetzung von Kollektivstrafen stark gemacht. In einer Stellungnahme rief der 55-Jährige zudem zum Dialog auf und mahnte die Ultras zum Gewaltverzicht.

Für einen gewissen Zeitraum sollen keine sogenannten Kollektivstrafen wie Geisterspiele, Teilausschlüsse oder Blocksperren verhängt werden.

"Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist", sagte Grindel am Mittwoch. Die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit bleibe davon jedoch unberührt.

Das Thema überlagert den Fußball seit Monaten: Die zunehmende Gewalt in und um die deutschen Fußballstadien. Der Fußball in Deutschland steht auch für Stehplätze, faire Eintrittspreise und die 50+1-Regel. "Der DFB meint es mit dem Angebot zum Dialog ernst".

Grindel ließ wissen, wie betroffen es ihn gemacht habe, dass es im Zusammenhang mit Fußballspielen "zu martialischen Aufmärschen, Kriegserklärungen und menschenverachtenden Aktionen gegen Mannschaften und deren Fans gekommen ist. Damit muss Schluss sein". Experten wie Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Deutschland sind der Überzeugung, dass eine Entspannung der Situation "nur gemeinsam mit den Fans und nicht über ihren Kopf hinweg" erreicht werden kann.

Grindel lud Ultra-Vertreter erneut dazu ein, sich mit dem DFB, seiner Arbeitsgruppe Fankulturen sowie anderen Fan-Organisationen an einen Tisch zu setzen. "Miteinander statt übereinander reden - das muss die Devise sein", sagten Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in einer gemeinsamen Erklärung.

Auch wenn viele Ultragruppen, die dem DFB und der Deutschen Fußball Liga, die sie als reine Kommerzmaschinen betrachten, in jüngster Zeit äußerst unversöhnlich gegenüberstanden, den Vorstoß umstandslos als Heuchelei einordnen werden, ist er ein längst fälliger Schritt zur Deeskalation. "Allein mit repressiven Maßnahmen war das bisher nicht möglich".

Die Klubs seien seiner Meinung nach aufgefordert, alles zu unternehmen, um solche "hemmungslosen Vorfälle zu verhindern", sagte der Bundesinnenminister. "Ich finde es auch gut, in den Dialog zu treten für einen anti-rassistischen Fußball".

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