Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer

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Durch das Zusammenwirken des deutschen Steuerrechts mit dem Abgaben- und Transfersystem kommt es zu den Fehlanreizen für Geringverdiener. "Dass sich mehr Erwerbsarbeit lohnt, ist eines der zentralen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft", sagt Aart De Geus, Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Entsprechend sprechen sich die Studienautoren für Reformen aus, um sicherzustellen, dass sich mehr Arbeit und Lohnzuwächse insbesondere für untere Einkommensgruppen auch lohnten. Die Ökonomen untersuchen, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn man Beiträge zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern und den möglichen Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag berücksichtigt.

Aber auch bei Familien mit höherem Einkommen geht es ungerecht zu.

Haushaltsbruttoeinkommen von 17.000 Euro nichts übrig. "In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse", erklärt Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung. So bleiben einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40.000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent übrig. Die Grenzbelastung liegt bei 100 Prozent. "Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater". Wer dagegen 90.000 Euro brutto verdient, kann 66 Cent behalten. Bis zur Einkommensschwelle von ca. Erst ab knapp 41.000 Euro sinke sie schließlich auf 44 Prozent. Die in der politischen Debatte häufig geforderte Abschaffung des "Mittelstandsbauches", um die sprunghaft steigende Belastung für untere Einkommensgruppen aufzuheben, ist aus Sicht der Autoren nur bedingt geeignet: Zwar könnte die Abflachung zu einer höheren Beschäftigung führen, würde aber auch die Einkommensungleichheit erhöhen, da von der Entlastung insbesondere hohe Einkommen profitieren würden.

Die Studienautoren fordern deshalb Änderungen am Gesamtsystem aus Einkommenssteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen. Mit gut 37 Milliarden Euro wären diese Reform zudem mit erheblichen Einnahmenverlusten für die öffentlichen Haushalte verbunden. Vor allem eine bessere Abstimmung der unterschiedlichen Transfersysteme könnte helfen. Kombiniert mit einer konstanten Transferentzugsrate von 60 Prozent könnte dies zu positiven Beschäftigungseffekten und weniger Einkommensungleichheit führen. Dadurch würden Ehepartner im Grundsatz individuell besteuert. Reformen sollten Steuern, Sozialabgaben und Transferzahlungen so aufeinander abstimmen, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohne. Doch das deutsche Steuer- und Abgabensystem ist einer Expertenstudie zufolge für andere Bevölkerungsgruppen sehr viel leistungsfeindlicher.

"Während sich der Einkommensteuertarif durch einen stark progressiven Verlauf auszeichnet, wächst die effektive Grenzbelastung jenseits der Grundsicherung kaum noch mit den Einkommen", schreiben die Autoren. Die Sprungstellen (das plötzliche Ansteigen der Grenzbelastung) und die allgemein hohe effektive Grenzbelastung im Sozialbereich sanktionieren größere Anstrengungen und zementieren soziale Spaltung.

Der Grenzsteuersatz gibt an wieviel von einem zusätzlich verdienten Euro an Einkommensteuer gezahlt werden muss. Grenzsteuersätze steigen in Deutschland mit steigendem Einkommen bis zum Spitzensteuersatz. Ein im Fachjargon progressiv genanntes Steuersystem gilt als gerecht.

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