NSU-Prozess: Erste Angehörige plädieren vor Gericht

Die Witwe des ermordeten Mehmet Kubasik liegt auf einem Gedenkstein

"Sie ist genauso schuldig wie diejenigen, die mit eigener Hand auf meinen Vater geschossen haben", sagt Gamze Kubasik am Mittwoch im NSU-Prozess vor dem Münchener Oberlandesgericht über die Hauptangeklagte Beate Zschäpe (Artikelbild). Er war am 4. April 2006 in seinem Kiosk in Dortmund mutmaßlich von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen worden. Es wird einer der emotionalsten Momente in diesem Verfahren. Sie habe so viel Hoffnung gehabt, dass es nach dem Prozess Sicherheit gebe, aber die gebe es nicht. Ilius sprach in seinem Plädoyer die Vertreter der Bundesanwaltschaft direkt an und warf ihnen vor, die These vom einsamen NSU-Terrortrio gegen besseres Wissen zu vertreten.

Seine Tochter Gamze glaubt nicht, dass die Bundesanwaltschaft noch "irgendwen" anklagen werde. "Für Sie ist die Sache doch hier abgeschlossen". Gamze Kubasik ist sicher, das Zschäpe den Inhalt kannte und wollte, "dass wir Familien darunter leiden". "Ich verstehe nicht, warum sie nicht zu den Taten steht". "Zahlreiche Chancen, wer wann von den Taten des NSU wusste und sie förderte" seien ungenutzt geblieben in den vergangenen mehr als 370 Verhandlungstagen. "Wenn sie sich wirklich für die Morde schämen würde, warum hilft sie uns dann nicht? Warum wurde mein Vater ausgewählt?" "Wenn es Ihnen irgendwann leidtut, dann antworten Sie". Zschäpe verzieht keine Miene. Damit hofften die Nebenkläger-Anwälte mögliche Verstrickungen staatlicher Stellen in den NSU-Komplex nachweisen zu können. Wie es aussehe, werde die Angeklagte lebenslängliche Haft erhalten, mit besonderer Schwere der Schuld, sagte er. "Ich hatte die Hoffnung, endlich Gewissheit zu erlangen", sagt Gamze Kubasik.

"Ich vergebe Ihnen. Ich nehme Ihre Entschuldigung an", heißt es in der Erklärung der Tochter. "Überlegen Sie es sich gut".

Scharmer moniert heftig, wie sich auch der Senat gegen die Aufklärung, die er den Angehörigen und Hinterbliebenen schulde, gewehrt habe.

Sollte der Strafsenat unter dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl dem Antrag folgen, könnte sie nach 13 Jahren erstmals versuchen, eine Bewährung zu bekommen, sagt Gamze Kubasiks Anwalt Sebastian Scharmer. Und soweit die Nebenkläger diese Ermittlungen haben führen wollen, habe die Bundesanwaltschaft diese "erfolgreich verhindert".

Für Scharmer wurde das Andenken an Mehmet Kubasik "geschändet", als dieser nach seinem Tod von den Ermittler selbst verdächtigt und mit Drogengeschäften in Verbindung gebracht wurde.

Fragen, die sie und ihre Familie bis heute quälten und mit denen sie auch nach diesem Prozess werde leben müssen. Scharmer zählt jeden einzelnen auf. Das gehe auch noch, wenn der Prozess vorbei sei. Einen, dass man gegen die isolierten Terroristen machtlos war. "Wir werden wahrscheinlich nie zur Ruhe kommen", befürchtet Gamze Kubasik.

Auch Carsten Ilius, Anwalt der Witwe Elif Kubasik, kritisiert am Mittwoch harsch, dass die Polizei damals nicht in der Neonazi-Szene Dortmunds ermittelt habe - obwohl diese als äußerst gewaltbereit gegolten habe.

"Warum Mehmet? Warum ein Mord in Dortmund?" Auch Ilius begründet dies mit "strukturell rassistischen Ermittlungen". Unklar sei auch, was der Staat über den NSU gewusst habe.

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