Jüdischer Schriftsteller Aharon Appelfeld gestorben

Jüdischer Schriftsteller Aharon Appelfeld gestorben

Der israelische Schriftsteller Aharon Appelfeld wollte nicht als nur Holocaust-Autor und -Überlebender gesehen werden. "Das ist ein einziges Grauen, das man nicht beschreiben kann", sagte er im vergangenen Jahr gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Immer gibt es hinter den Vorgängen eine Welt und den Schmerz um diese Welt, die jüdische Welt, die jüdische Kultur und die jüdischen Menschen. Den Umbruch in die Grausamkeit, den der Nationalsozialismus mit sich brachte, hatte der junge Appelfeld sehr intensiv erlebt.

Ein Jahr nur war er zur Schule gegangen und seine Muttersprache Deutsch hatte er nahezu vergessen. Dennoch war Appelfeld, so Autor und Journalist Jochanan Shelliem, der wichtigste Schriftsteller, der den Holocaust überlebt hat.

Wenn ich seine Bücher lese, dann habe ich das Gefühl, ihn sprechen zu hören.

Der 1932 geborene Appelfeld wuchs als Kind assimilierter Juden in der heutigen Ukraine auf. Seine Mutter und seine Großmutter wurden nach dem Einmarsch der Deutschen ermordet, der Junge kam mit seinem Vater ins Ghetto. Nach der Deportation wurden Vater und Sohn voneinander getrennt.

Er schlug sich unter anderem als Küchenjunge bei der Roten Armee durch und kam mit 13 Jahren in das damalige Palästina.

Fast ein Jahrzehnt nach dem Krieg traf er den totgeglaubten Vater wieder - 1954 in einem Aufnahmezentrum. "Er hat mich wiedererkannt, ich ihn nicht", erinnerte sich Appelfeld. Der Vater war einen Monat zuvor aus Wien nach Israel eingewandert. 46 Bücher hatte er bis Anfang 2017 geschrieben. Der Roman "Bis der Tag anbricht" handelt von einer Frau, die durch äußere Umstände zu einer Mörderin wird. Mit seinen Eltern und Großeltern hatte er Deutsch und Jiddisch gesprochen. Darin beschreibt er die verloren gegangene Welt seiner Kindheit. Sie wurden in 35 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche.

Für seine Bücher erhielt der Schriftsteller mehrere Auszeichnungen, darunter 1983 den Israel-Preis, der als höchste Ehrung des Staates Israel gilt, sowie mehrmals den amerikanischen National Jewish Book Award. Von 1975 bis 2001 war Appelfeld Professor für Hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität Be'er Sheba.

Nach Deutschland reiste Appelfeld erstmals um die Jahrtausendwende.

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