Thyssenkrupp: Vorstand stimmt Fusion mit Tata zu

Nach Informationen unserer Redaktion soll sich der Thyssenkrupp-Konzernaufsichtsrat am Freitag (29. Juni) treffen, um das von Vorstandschef Heinrich Hiesinger angestrebte Bündnis mit dem indischen Konzern Tata zu besiegeln. "Thyssenkrupp und Tata Steel haben den Vertrag zur Gründung eines gemeinsamen Unternehmens unterzeichnet", heißt es in dem von Stahlchef Andreas Goss unterzeichneten Schreiben, das der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vorliegt.

Damit verabschiedet sich der größte deutsche Stahlkonzern weitgehend von dem stark schwankungsanfälligen Geschäft und gibt den Startschuss für einen weiteren Konzernumbau.

An dem neuen Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden wird Thyssenkrupp nur noch eine Beteiligung von 50 Prozent halten. Entstehen soll Europas zweitgrösster Stahlkonzern mit rund 48 000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Grossbritannien und den Niederlanden. Der Betriebsrat des Konzerns befürchtet jedoch die Streichung von deutlich mehr Jobs und lehnt die Fusionspläne ab. "Wir optimieren unser Produktangebot, können unsere Anlagen besser auslasten und profitieren von der Bündelung unserer Forschungskompetenzen".

"Mit diesem Zusammenschluss sind wir besser aufgestellt - durch einen besseren Zugang zu Kunden und Regionen". Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten.

Zuletzt hatten Bewertungsfragen im Mittelpunkt der komplizierten Gespräche gestanden. Im Falle eines Börsengangs des als 50/50 angelegten Joint Ventures erhalte Thyssenkrupp einen höheren Anteil der Erlöse, der einem wirtschaftlichen Verhältnis von 55/45 entspricht.

Experten wie Professor Roland Döhrn vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schliessen jedoch Einschnitte auch künftig nicht aus. Der Stahlexperte zeigte sich jedoch überzeugt, dass die bei der Fusion ausgehandelten Garantien verlässlich seien. Viele Produkte wie etwa Autos enthielten immer weniger Stahl, weil sie immer leichter würden. "Es kann doch nicht sein, dass Thyssenkrupp wie ein Gebrauchtwagen ausgeschlachtet werden soll und die Menschen auf dem Schrott landen sollen", sagte Segerath mit Blick auf eine von Finanzinvestoren geforderte Zerschlagung des Essener Konzerns.

ThyssenKrupp-Anteilseigner hatten die angekündigte Trennung vom krisenanfälligen Stahlgeschäft dagegen als Befreiungsschlag gewertet. Der ehemalige Siemens-Manager steht seit geraumer Zeit unter dem Druck von Investoren wie dem Großaktionär und schwedischen Finanzinvestor Cevian und dem neu eingestiegenen US-Hedgefonds Elliott. Während die Anteilseigner mit Nachdruck einen schnelleren Umbau des Konzerns forderten, hatten sich die Verhandlungen über die Stahlfusion unter anderem wegen Bewertungsproblemen hingezogen.

Related:

Comments

Latest news

Sky trennt sich von Pay-TV-Sendern von RTL
Neben AXN und Goldstar TV verabschiedete man sich unter anderem auch von ProSieben Fun, Sat.1 Emotions und kabel eins Classics.

Medien: Trump versprach Macron "Super-Deal" im Gegenzug für …
Das Weiße Haus dementierte gegenüber der "Washington Post" das Angebot nicht, gab sonst aber kein Statement ab. Der US-Präsident habe den Franzosen für den Fall des "Frexits" einen bilateralen Handels-Deal unterbreitet.

Wohnort von Kindern war auf Panini-Portal sichtbar
Die Sicherheitslücke sei durch ein Update geschlossen worden, sagte Panini-Manager Giorgio Aravecchia dem "Spiegel". Panini-Aufkleber sind aktuell wieder hoch im Kurs, das liegt natürlich an der Fußball-Weltmeisterschaft.

USA: Supreme Court bestätigt Trumps Einreisesperre
Auch der Supreme Court blieb allerdings bis zuletzt tief gespalten: Die jetzige Entscheidung erging mit fünf gegen vier Stimmen. Die Richter befassten sich mit der jüngsten Version des Erlasses vom September vergangenen Jahres.

Attacke in den USA:Fünf Tote bei Schießerei in Redaktion
Nach Schilderung von Augenzeugen haben sich Beschäftigte unter Schreibtischen versteckt, um sich vor den Schüssen zu schützen. Auf ihrer Internseite hat die US-Lokalzeitung "Capital Gazette" den Opfern der Schießerei in ihren Redaktionsräumen gedacht .

Other news