Ärztekammerpräsident bezweifelt Nutzen von Masken

Der Hinweis zum Tragen eines Mund-und Nasenschutzes klebt auf einer Bahnhofstüre

Sie würden die Bemühungen, Patienten vom Sinn eines Mund-Nasen-Schutzes zu überzeugen, konterkarieren, sagte er gegenüber dem "Münchner Merkur". Er selbst trage auch außerhalb seines Praxis-Alltags Maske, da es "infektiologisch sinnvoll" sei, sagte Quitterer. Unter anderem war zu lesen: "Trotz aller noch bestehender Unsicherheit resultiert aus den Daten aus Sicht der Unterzeichner die klare Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes", heißt es darin.

Reinhardt hatte in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" vom Mittwochabend gesagt, er sei von den Alltagsmasken nicht überzeugt, "weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind".

Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, kritisiert die Maskenpflicht und bezweifelt den Nutzen von Mund- und Nasenbedeckungen im Alltag als Schutz gegen das Coronavirus [siehe Berichte "Stuttgarter Zeitung", "Berliner Zeitung"]. Als Amtsträger beschädigte Reinhardt die Arbeit seiner Kollegen.

Als einer der ersten über die Worte Reinhardts aufgebracht zeigte sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

In der bayerischen Staatskanzlei stießen Reinhardts Aussagen auf scharfe Kritik.

So sagte Bayerns Ärztekammerpräsident Gerald Quitterer dem "Münchner Merkur", er sei über die Äußerungen "nicht glücklich". Sollte Reinhardt das nicht sofort zurücknehmen, sei das ein Rücktrittsgrund.

Das Robert Koch Institut (RKI) empfiehlt das Tragen von Alltagsmasken in bestimmten Situationen als Baustein, um Risikogruppen zu schützen und die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu reduzieren. Auch die Initiative "Zusammen gegen Corona" des Bundesgesundheitsministerium baut auf diesen Regeln auf. Eine übergreifende Analyse mehrerer Studien, die im Juni im Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht wurde, war schließlich zu dem Schluss gekommen, dass eine Maske das Infektionsrisiko messbar verringert. Verglichen wurde vor allem der Gebrauch unter Haushaltskontakten oder bei Begegnungen mit anderen Kontaktpersonen. Für Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, ist der Nutzen von Masken klar: "Wir wissen, dass eine Maske Tröpfchen abhält und die Übertragung von Aerosolen vermindert". Besonders in Innenräumen sei eine Maske deshalb anzuraten.

Doch warum müssen Wissenschaftler auf Hamster und Hochrechnungen zurückgreifen, um die Wirksamkeit von Masken in der Coronakrise zu belegen? "Ohne Maske wäre man dagegen völlig ungeschützt".

Dennoch befürwortete er das Tragen in manchen Situationen.

An einigen Orten ist die Maskenpflicht auf stark frequentierten öffentlichen Straßen und Plätzen angeordnet, an denen es nicht genug Raum zum Abstandhalten für alle gibt.

Wer draußen nur kurz an anderen Menschen vorbeigeht, hat nach Ansicht von Infektionsepidemiologe Knobloch eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit, sich dabei anzustecken.

Related:

Comments

Latest news

Post in Österreich bringt Corona-Briefmarke aus Klopapier heraus
Mit dem kuriosen Porto sollen von der Corona-Krise besonders Betroffene unterstützt werden, teilte die Post am Freitag mit. Der gleich hohe Zuschlag auf den gedruckten Markenwert soll karitativen Organisationen zu Gute kommen.

Barack Obama greift Donald Trump frontal an
Daten der Universität Johns Hopkins zufolge gibt es in den USA bisher gut 8,3 Millionen bestätigte Corona-Infektionen. Obama nannte den Republikaner Trump dabei nicht namentlich, es schien aber klar, auf wen er damit abzielte.

Kurz vor dem TV-Duell: Biden weist Anschuldigungen als "Müll" ab
Aus den Wahlkampfteams gab es wohl schon Kritik: Für manche gingen die Änderungen nicht weit genug, andere lehnten auch diese ab. Johnson hatte Fox News erzählt, dass Hunter Biden und andere Familienmitglieder mit dem prominenten Nachnamen Gewinn machten.

Lufthansa macht auch im Sommer Milliardenverlust
Die Herbstferien, hatte Spohr vor wenigen Wochen gesagt, fänden in den Buchungssystemen der Lufthansa praktisch nicht statt. Im Vorjahr hatte Lufthansa zu diesem Zeitpunkt Ende September einen Roh-Gewinn von 1,72 Milliarden Euro verzeichnet.

Edward Snowden erhält unbefristetes Aufenthaltsrecht in Russland
Seine Frau ist bei ihm", hatte Kutscherena zuletzt auf die Frage nach Snowdens Befinden gesagt. US-Präsident Trump hatte im August eine mögliche Begnadigung angedeutet.

Other news