Seilbahn-Unglück in Italien: Verdächtige gestehen offenbar Manipulation der Notbremsen

Bild zu Tote bei Seilbahnunglück in Italien

Nach dem tödlichen Seilbahnunglück in Norditalien haben die drei festgenommenen Männer offenbar eingestanden, manipuliert zu haben. Die Ausschaltung des Notbremssystems sei in der Überzeugung beschlossen worden, "dass das Kabel niemals reißen würde".

Die Gondel einer Seilbahn bei Stresa am Lago Maggiore stürzte am Sonntag hunderte Meter in die Tiefe. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem das Video einer Überwachungskamera gesichtet habe.

Die Gondel rollte nach dem Riss des Zugseils laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RAI wieder abwärts und dürfte wegen der hohen Geschwindigkeit bei einem Träger aus der Führung gerissen worden sein. Über diesen Vorgang hat der Anwalt von Alfar den Ermittlern am Montag berichtet und auch die Unterlagen dazu übergeben. Damit funktionierte die Notbremse nicht mehr, als das Zugseil riss.

Nun hat sich auch die für die Wartungsarbeiten an der Seilbahn Funivia Stresa-Mottarone zuständige Firma zu Wort gemeldet.

Laut den Ermittlern handelte es sich um einen "bewusst durchgeführten materiellen Akt", um "Unterbrechungen und das Anhalten der Seilbahn zu vermeiden", während "die Anlage Anomalien aufwies, die einen radikaleren Eingriff mit einem konsequenten Anhalten" der Anlage erfordert hätten. Bei dem Unglück am Monte Mottarone, westlich des Sees Lago Maggiore, soll ersten Erkenntnissen zufolge eine Notbremse aus bislang ungeklärter Ursache nicht funktioniert haben. Die Seilbahn war zuletzt am 3. Mai gewartet worden. Bei der letzten magnetinduktiven Seilprüfung im November 2020 seien "keine Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. Zwei schwer verletzte Kinder wurden per Rettungshubschrauber in eine Klinik in Turin geflogen, wobei eines noch am Abend starb. Nur ein kleiner Junge, der bei dem Unglück seine Eltern verlor, überlebte. Die täglichen und wöchentlichen Kontrollen liegen laut Leitner in der Verantwortung der Betreibergesellschaft Ferrovie del Mottarone.

Zumindest hier gibt es eine positive Nachricht: Der Gesundheitszustand des Fünfjährigen verbessert sich. "Die Untersuchung hat bisher ergeben, dass das geschehen ist, um wiederholte Unterbrechungen der Seilbahn zu verhindern".

Der Fünfjährige sei zwar noch nicht außer Gefahr, die Ärzte erklärten sich jedoch zuversichtlich, berichteten italienische Medien.

13 Menschen - Italiener und eine israelische Familie - starben noch an der Unfallstelle. Die Särge mit den fünf israelischen Opfern sollen am Mittwoch nach Israel geflogen werden, wo eine Trauerzeremonie geplant ist. Papst Franziskus trauerte um die 14 Toten und sprach deren Familien "Nähe und herzliches Beileid" aus.

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