Katholische Kirche: Papst Franziskus lehnt Rücktritt von Kardinal Marx ab

Kirchenrechtler Schüller

Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt. "Im Gehorsam akzeptiere ich seine Entscheidung, so wie ich es ihm versprochen habe". "Und: "wir müssen Reformen anstoßen, das heißt Fleisch auf den Grill legen", sagt der Direktor des Institutes für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster.", Vorsätze' zur Änderung des Lebens zu machen, ohne das Fleisch auf den Grill zu legen, führt zu nichts", hatte es im Papst-Brief geheißen.

Was bedeutet der Brief des Papstes? . Somit ist das, was da am Donnerstag aus Rom kommt, schon allein aus zeitlichen Gründen eine kleine Sensation: Nichtmal eine Woche nach Bekanntwerden des Rücktrittsgesuchs des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Marx, hat Papst Franziskus mit einem klaren Nein geantwortet. Das schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem vom Heiligen Stuhl am Donnerstag veröffentlichten Brief. Franziskus bat den Kardinal, vorerst im Amt zu bleiben; er werde zu gegebener Zeit entscheiden. Der Brief sei auch eine Aufforderung an Marx, "sich hier in seinem Bistum und auf dem Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland auch weiterhin mit seiner Kraft und Kompetenz einzusetzen", sagte "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner".

"Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist", hieß es in Franziskus' Schreiben weiter.

In dem drei Seiten umfassenden Brief mit Datum vom 10. Juni (Donnerstag) dankt der Papst dem Münchner Erzbischof zunächst für seinen "christlichen Mut".

Marx' Schritt habe eine "neue Ernsthaftigkeit in die Debatte um den Weg der Kirche angesichts von Missbrauch und Reformstau" gebracht, sagte Martin Kirschner, Professor für Theologie in Transformationsprozessen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Marx ist vielen Menschen bekannt.

"Das Rücktrittsgesuch ist Ausdruck von einer großen inneren Freiheit und bringt eine neue Freiheit in die Diskussion: Der Kardinal klebt nicht an seinem Amt", sagte Kirschner. Es dürfe aber kein Weiter so geben: Er wolle im Erzbistum München überlegen, welche neuen Wege gegangen werden können und wie die Kirche erneuert werden könne. Er wolle damit "Mitverantwortung" für die "Katastrophe des sexuellen Missbrauchs" übernehmen. Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen". "Zum einen habe er deutlich gemacht, dass es Reformen in der Katholischen Kirche brauche - in Deutschland und auch in der Weltkirche". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, zeigte Verständnis für die Entscheidung.

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist erleichtert über die Ablehnung des Rücktritts von Kardinal Reinhard Marx durch Papst Franziskus. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so schnell reagieren würde und auch seine Entscheidung, dass ich meinen Dienst als Erzbischof von München und Freising weiter fortführen soll, habe ich nicht so erwartet", teilte er in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Auch Verbände, die sonst kritisch mit der katholischen Kirche umgehen, lobten das Rücktrittsangebot. Der Initiative von Missbrauchsopfern "Eckiger Tisch" zufolge macht es den Weg frei für einen Neuanfang. "Es ist ein beeindruckender Schritt, dass endlich ein Bischof in Deutschland in der Ich-Form spricht und Verantwortung übernimmt". Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass er den Papst um seine Entlassung gebeten habe. Er sei froh, dass Kardinal Marx als starke Stimme erhalten bleibe - gerade auch mit dem Blick auf den Synodalen Weg, den Reformprozess der Katholischen Kirche in Deutschland.

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